Vergütung setzt Anreize
Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) beschreibt im Krankenhaus-Report 2020 die positiven und negativen Anreize der Krankenhausfinanzierung und -vergütung. Der Report untersucht die unterschiedlichen Wirkungen der Vergütungsmodelle und die Abwägung zwischen ihren Zielen. Zur Originalaussage des WIdO
Am Beispiel der Krankenhausmedizin im Pflegeheim
Für eine dauerhafte Versorgung im Pflegeheim stellt sich neben der medizinischen Frage eine wirtschaftliche: Wie werden ärztliche Begleitung, zusätzliche pflegerische Aufgaben und die gemeinsame Koordination finanziert? Die zeitlich begrenzte Projektförderung und eine spätere Regelversorgung sind dabei getrennt zu betrachten.
Ein möglicher Zielkonflikt entsteht, wenn eine Einrichtung zusätzliche Arbeit übernimmt, während der wirtschaftliche Nutzen an anderer Stelle anfällt. Ebenso ist zu prüfen, ob die Vergütung eines Krankenhausaufenthalts und die Finanzierung einer geeigneten Behandlung im Pflegeheim unterschiedliche Anreize setzen.
Den gesamten Verlauf betrachten
Pfadorientierte Unternehmenssteuerung untersucht diese Zusammenhänge aus Sicht des Patienten. Welche Behandlung ist erforderlich? Welche Leistungen müssen zusammenwirken? Wer trägt welchen Aufwand, und wo entstehen bessere Ergebnisse oder vermiedene Folgekosten?
Ein finanzieller Fehlanreiz beschreibt zunächst einen möglichen Zielkonflikt. Seine tatsächliche Wirkung auf die Versorgung muss am konkreten Behandlungspfad geprüft werden. Ein geringerer Aufwand in einer einzelnen Einrichtung kann zugleich einen höheren Aufwand für andere Beteiligte bedeuten.
Die Frage für die Unternehmenssteuerung
Unser Ansatz ist, Fehlanreize sichtbar zu machen und Anreize für nachweislich bessere Versorgung zu entwickeln. Maßgeblich sind die medizinische Qualität und die Bedürfnisse des Patienten. Die wirtschaftliche Bewertung umfasst den gesamten Verlauf und berücksichtigt auch die Ressourcen, die andere Beteiligte einsetzen.
Eine Qualitätsverbesserung kann zusätzliche Mittel rechtfertigen. Wirtschaftlichkeit bedeutet hier, den Ressourceneinsatz am erreichten Patientennutzen zu beurteilen und die notwendigen Beiträge der Beteiligten dauerhaft zu ermöglichen.
Wie gestalten wir Verantwortung und Vergütung so, dass der für den Patienten geeignete Behandlungspfad für die beteiligten Einrichtungen wirtschaftlich tragfähig wird?