Sebastian Baum /

Sebastian Baum

Versorgung weiterdenken.

Was braucht das Gesundheitswesen ab 2027?

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz setzt für die kommenden Jahre einen engeren finanziellen Rahmen. Die Gesundheitsausgaben sollen sich stärker an der Einnahmenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung orientieren.

Für Gesundheitsunternehmen stellt sich damit eine grundlegende Frage: Wie lassen sich die verfügbaren Mittel so einsetzen, dass eine medizinisch gute und wirtschaftlich tragfähige Versorgung entsteht?

Eine Antwort beginnt beim gesamten Weg des Patienten.

Sebastian Baum
Sebastian BaumUnternehmensführung im Gesundheitswesen

Den gesamten Verlauf im Blick

BedarfWas braucht der Mensch?
BehandlungWelche Versorgung ist angemessen?
ÜbergangWie geht die Behandlung weiter?
ErgebnisWas verändert sich im Alltag?

Gesundheitswesen 2027

Der Patientenpfad als gemeinsame Aufgabe

Die Begrenzung der Ausgaben bestimmt den finanziellen Rahmen. Wie innerhalb dieses Rahmens die bestmögliche Versorgung entsteht, bleibt eine medizinische und unternehmerische Gestaltungsaufgabe.

Mein Ausgangspunkt ist deshalb die Frage: Was braucht ein Patient zu welchem Zeitpunkt, damit mit den verfügbaren Ressourcen das bestmögliche Behandlungsergebnis erreicht wird?

Diese Perspektive richtet den Blick auf den vollständigen Behandlungsverlauf. Entscheidend wird, wie die einzelnen Leistungen zusammenwirken und welchen Beitrag sie zum Ergebnis für den Patienten leisten. Daraus entstehen andere Fragen an die Entwicklung und Führung eines Gesundheitsunternehmens.

An dieser Stelle setzt mein Konzept der pfadorientierten Unternehmenssteuerung an.

Zum gesetzlichen Rahmen: Bundesgesundheitsministerium zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, 10. Juli 2026.

Das Konzept

Pfadorientierte Unternehmenssteuerung

Der Patientenpfad als Bezugsgröße von Qualität, Wirtschaftlichkeit und Führung.

Gesundheitsunternehmen werden traditionell über Einrichtungen, Fachabteilungen, Budgets und wirtschaftliche Einzelergebnisse gesteuert. Medizinische Ergebnisse und der dafür erforderliche Ressourceneinsatz entstehen jedoch entlang eines zusammenhängenden Behandlungsverlaufs, von der Indikation über die Akutbehandlung bis zur Rehabilitation, Pflege und Rückkehr in den Alltag.

Die Steuerung einzelner Einrichtungen erklärt deshalb noch nicht den Erfolg des gesamten Patientenpfades. Wie würde sich die Führung von Gesundheitsunternehmen verändern, wenn dieser Pfad selbst zur gemeinsamen Bezugsgröße unternehmerischer Entscheidungen würde?

Diese Frage steht im Mittelpunkt meines Konzepts der pfadorientierten Unternehmenssteuerung. Es untersucht, wie Ergebnisqualität, Ressourceneinsatz und wirtschaftliche Verantwortung über Organisations- und Sektorengrenzen hinweg miteinander verbunden werden können.

Was den Ansatz unterscheidet

Die Vernetzung verschiedener Leistungserbringer ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Pfadorientierte Unternehmenssteuerung geht einen Schritt weiter: Sie ergänzt die Führung einzelner Einrichtungen um eine gemeinsame Verantwortung für definierte Behandlungspfade.

Dafür werden medizinische Ergebnisse, wiedergewonnene Selbstständigkeit, Übergangszeiten und wirtschaftliche Wirkungen über den gesamten Verlauf betrachtet. Gemeinsame Ziele und klare Entscheidungsrechte ermöglichen es, Abläufe und Ressourcen auch dann neu zu ordnen, wenn die beste Lösung für den Patienten zunächst unterschiedliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die beteiligten Einrichtungen hat.

Die folgenden fünf Fragen geben Einblick in meine Überlegungen. Anschließend zeigen Diskussionsansätze, welche Versorgungsmodelle bereits untersucht wurden und welche unternehmerischen Fragen sich daraus ergeben.

Cover des Manuskripts Pfadorientierte Unternehmenssteuerung

Diskussionsansätze

Wie Versorgung weitergedacht werden kann

Die Beispiele zeigen Ansätze, die bereits erprobt oder wissenschaftlich untersucht wurden. Daraus entstehen Fragen an eine gemeinsame medizinische und wirtschaftliche Steuerung des gesamten Patientenpfades.

Krankenhaus und Kurzzeitpflege

Wenn die Akutbehandlung endet, aber die Selbstständigkeit noch fehlt

Eine aktivierende Kurzzeitversorgung kann den Übergang zur Häuslichkeit unterstützen. In der REKUP-Studie kehrten 86 statt 65 Prozent der untersuchten Personen nach Hause zurück. Die Studie untersuchte ein spezifisches rehabilitatives Modell mit begrenzter Übertragbarkeit.

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Krankenhaus und Rehabilitation

Nach Gelenkersatz: die Versorgung über Einrichtungen hinweg planen

Ein früher, medizinisch geeigneter Rehabilitationsbeginn verlangt abgestimmte Abläufe. Das historische Münsteraner Modell der integrierten Endoprothetikversorgung berichtete über kürzere Behandlungszeiten und geringere Gesamtkosten. Wie könnte ein heutiger stationär-ambulanter Pfad gestaltet sein?

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Krankenhaus und Pflegeeinrichtung

Krankenhausmedizin im Pflegeheim: Versorgung am geeigneten Ort

Das Innovationsfonds-Projekt VirtualWard erprobt die telemedizinische Krankenhausbehandlung geeigneter Pflegeheimbewohner nach einer Erstversorgung in der Notaufnahme. Internationale Studien liefern ergänzende Erfahrungen. Wie können Krankenhaus und Pflegeeinrichtung gemeinsam einen verlässlichen Behandlungspfad gestalten?

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Vertiefung · Vergütung und Anreize

Wie wirken sich aktuelle Vergütungslogiken auf den Behandlungspfad aus?

Wer trägt zusätzlichen Aufwand, und wo entsteht der Nutzen? Am Beispiel der Krankenhausmedizin im Pflegeheim stellt sich die Frage, wie ärztliche Betreuung, Pflege und Koordination verlässlich finanziert werden. Maßstab ist die Qualität und Wirtschaftlichkeit des gesamten Behandlungsverlaufs.

Vergütungsfrage vertiefen

Fachbeitrag

Was kann die Gesundheitswirtschaft von der Luftfahrt lernen?

Ansätze zur Qualitätssteigerung und Senkung der systemischen Kosten

Wie lassen sich Qualität und Wirtschaftlichkeit gemeinsam verbessern, wenn wir den Behandlungsablauf aus Sicht des Patienten betrachten? In meinem Beitrag ziehe ich dafür einen Vergleich mit der Luftfahrt.

Im Mittelpunkt stehen aufeinander abgestimmte Abläufe und die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg. Verlässliche Standards sollen Fachleute entlasten und Raum für die Besonderheiten des einzelnen Patienten schaffen. An diese Überlegungen knüpft mein heutiges Konzept der pfadorientierten Unternehmenssteuerung an.

Sebastian Baum, in: David Matusiewicz und Marco Muhrer-Schwaiger (Hrsg.), Neuvermessung der Gesundheitswirtschaft. Springer Gabler, 2017, Seiten 25–38.

Zum Kapitel bei Springer

Podcasts & Führung

Mein Führungsverständnis in Podcasts

Wie werden aus klaren Zielen und eigenständigen Entscheidungen gemeinsame Ergebnisse? In zwei Podcastgesprächen spreche ich über Vertrauen, das Übertragen von Verantwortung und die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen.

Beide Gespräche knüpfen an meinen Fachbeitrag zur Luftfahrt von 2017 an. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit der Berufsgruppen und ihre Bedeutung für den Behandlungspfad.

Zu den Podcasts und meinem Führungsverständnis

Vita

Erfahrung im Gesundheitswesen

St. Augustinus Gruppeseit 2020
Geschäftsführung Somatik
St.-Antonius-Hospital Eschweiler2012–2019
Mitglied der Geschäftsleitung
Uniklinik Köln2009–2012
Aufbau und Leitung einer internen Prozess- und Organisationsberatung
KPMG2006–2008
Wirtschaftsprüfung und Beratung im Gesundheitswesen
Pro Seniore
10 Jahre Erfahrung in der Altenhilfe

Universität zu Köln

Diplom-Kaufmann, Schwerpunkt Management im Gesundheitswesen

mibeg-Institut

Langjährige Lehrtätigkeit im Krankenhausmanagement

Kontakt

Ich freue mich über den fachlichen Austausch mit Menschen, die regionale Versorgung und neue Formen der Unternehmenssteuerung im Gesundheitswesen weiterentwickeln möchten. Kontakt ist per E-Mail oder über LinkedIn möglich.